Wie schon erwähnt, wohnten von 1945 bis 1949 14 Flüchtlinge auf unserem Hof: Familie Hahn (6 Personen) in den Zimmern 4 und 5, Familie Manthey (6 Personen) im Zimmer 6, Frau Dorau im Zimmer 8 und ihr ca. 80jähriger Vater in der ehemaliegen Mägdebutz unter der Bodentreppe. Im Zimmer 7 wohnte die neue Wirtschafterin Frl. Suhr. Erst nur für mich, später dann für die langsam entstehende Familie Mohr, blieben nur die Zimmer 2 und 3.
Ab 1948 entspannte sich die Wohnungsnot in unserem Gebiet und auf unserem Hof.
Als erste zog Frau Dorau mit ihrem Vater 1948 ins Industriegebiet. Umgehend funktionierte ich die "Butz" in ein ganz primitives Badezimmer um. (Siehe "Unsere Badezimmer"). Da Frau Dorau als Hilfe ausfiel, und die Wirtschafterin Frl. Suhr wegen Schwangerschaft kündigte, mußten Hausmädchen eingestellt werden. Sie bewohnten dann die Zimmer 7 und 8. Für Frl. Suhr kam meine Freundin Wilma, übernahm die Küchenleitung und lernte mich sehr gut an!
Herr und Frau Hahn arbeiteten bis 1950 in unserem Betrieb. Darum wurde die ganze Familie vom Hof beköstigt. Das Zimmer 4 (etwa 16 m² groß) war für die 6 Personen Wohn- und Eßzimmer und außerdem für die Großmutter, die fast immer bettlägerig war, das Schlafzimmer. Vater, Mutter und 3 Kinder schliefen in 3 Betten im Zimmer 5. Es ist ganze 12 m² groß!
Familie Manthey wohnte, schlief und kochte im Zimmer 6. (Herr Manthey arbeitete in einer Mühle in Otterndorf).
1950 bekam Herrr Hahn endlich eine Anstellung als Amtmann in der Kreisverwaltung in Otterndorf und konnte somit für seine Familie eine größere Wohnung mieten.
Als die Hahnschen Zimmer frei wurden, war unser zweites Kind Ulrich ein paar Monate alt. Wir beantragten beim Wohnungsamt ein Zimmer für unsere Kinder (Im eigenen Haus!). Das Zimmer Nr. 2 war für uns ja nicht nur Wohn- und Eßzimmer, sondern vor allen Dingen auch Büro.
Irmela schlief seit Ullis Geburt mit ihrem Kindermädchen im Zimmer 8. Ulli schlief bei uns Eltern.
Das Wohnungsamt sprach uns das nicht heizbare Zimmer 5 zu, während das Zimmer 4 (und nur durch das konnte man das Zimmer 5 erreichen), mit neuen Flüchtlingen belegt werden sollte. Wir protestierten. Wie sollten wir die beiden Kinder, Irmela ca. 20 Monate und Ulli ca. 4 Monate alt, in das Zimmer 5 bringen? Es war zudem November-Dezember. Man meinte ganz kalt, wir könnten ja aus einem Fenster eine Tür nach draußen machen und die Kinder dort hineintragen. Flüchtlinge dürften nur in Räume einquartiert werden, die einen regulären Eingang hätten und beheizbar wären.
Es gab eine Gerichtsverhandlung. Wilhelm setzte durch, daß wir das Zimmer 4 "kaufen" konnten. Das Zimmer 5 bekamen wir "geschenkt"! Für das Zimmer 4 mußten wir 800,-- DM an die Gemeinde bezahlen. Für das Geld sollte im Dorf ein Wohnraum für Flüchtlinge gebaut werden.
800,-- DM war für uns zu der Zeit sehr viel Geld, zumal wir noch einige Hunderter dazulegen mußten für die Reparatur beider Räume. Sie waren fürchterlich verwohnt, was ja gar nicht ausbleiben konnte.
Das Zimmer 4 wurde dann unser Eß- und Kinderspielzimmer und im Zimmer 5 schliefen unsere beiden Kinder.
Bis zum 1.4. 1950 hatten wir ständig 2 Hausmädchen, von denen eines, gemeinsam mit einem unserer "Männer", auch melken mußte. eine Melkmaschine gab es bis dahin nicht. Weil Ulli unterwegs und Irmela damals erst 14 Monate alt war, durfte ich ab 1. 4. 1950 ein Kindermädchen einstellen. Es war gerade schulentlassen und bekam außer Kost und Logie 20,-- DM ausgezahlt. Die Hausmädchen bekamen 50,-- DM. So war es damals allgemein üblich.