Da unser Flüchtlingsopa mit seiner Tochter im Herbst 1948 auszog, wurde die Butz unter der Bodentreppe frei. Auf schnellstem Wege entstand dort das erste primitive Badezimmer. Eine Badewanne und ein Waschbecken wurden installiert und ein Abfluss für das gebrauchte Wasser gelegt. Da es noch keine Wasserleitung gab, mussten wir auch ins Badezimmer das Wasser tragen, ob warm, ob kalt, aber der Abfluss funktionierte! Wir brauchten uns nun nicht mehr im Schlafzimmer zu waschen und ich konnte meine Babys täglich sehr schön baden.
Wir Erwachsenen hatten uns bis dahin im Backhaus gebadet. An jedem Sonnabend wurde das Wasser im großen Wäschetopf erhitzt und in eine Zinkwanne gefüllt. Ein Bad darin war gewiss kein Luxus, aber sauber sind wir geworden! Dieses ganze Kapitel hat mir lange Zeit sehr zu schaffen gemacht.
Zu Hause, im Sauerland, hatten wir seit meinen Kindertagen durch Wasserschlangen im großen Küchenherd "warmes Wasser aus der Wand!" Aber ich war jung und wir hatten gerade sechs Jahre Krieg hinter uns. Millionen Menschen hatten Haus und Hof verloren, da hatte man eine ganz andere Einstellung zu den Dingen als heute. Und im ganzen Land um uns herum war es nicht anders als auf unserem Hof. Erst 1957, als wir die Ländereien verpachteten und uns im Westteil des Hauses eine Altenteilswohnung schafften, bekamen wir dort ein gefliestes und gekacheltes Bad und Klo.
Die Hofpächter haben unsere alten Einrichtungen noch übernommen, Wasserleitungen waren aber inzwischen auch dorthin verlegt. Erst 1977, bei der Renovierung der bis dahin verpachteten Wohnung, wurde aus der alten Küchenkammer und dem danebenliegenden provisorischen Bad ein schönes Badezimmer.