Südwestlich unseres Wohnhauses steht unser Backhaus. Nach den eisernen Ziffern in seinem Nordgiebel ist es 1857 erbaut. Nach mündlicher Überlieferung hat Onkel Schultheiß mit seiner Frau dort gewohnt, während sein altes Wohnhaus abgerissen und das neue an gleicher Stelle erbaut wurde.
Als ich 1945 auf den Hof zog, war das Erdgeschoß des Backhauses ein einziger großer Raum. In ihm hat meine Schwiegermutter das Brot für den Hof gebacken, das Bier gebraut und die große Wäsche gewaschen. Mit einigen Hilfen natürlich. - Die zugemauerte Tür des Backofens war noch zu erkennen. Ebenfalls stand dort noch ein uralter, inzwischen unbrauchbarer Braukessel. In der Mitte der Rückwand befand sich ein großer offener Kamin. Direkt unter ihm stand unser Manteltopf zum Wäschekochen. Mit Hilfe eines langen Rohres wurde der Rauch seines Feuers in den Kamin geleitet, einfach so, ohne Abdichtung. Bei starkem Wind oder schwerer, nebliger Luft war demzufolge der ganze Raum voller Rauch.
Wir weichten alle 2 bis 3 Wochen die Wäsche über Nacht ein, wuschen sie am nächsten Morgen vor, kochten die Kochwäsche anschließend im Wäschetopf und wuschen sie dann noch einmal auf sogenannten Waschbrettern. Die Buntwäsche wurde nach dem Einweichen nur einmal gründlich in frischer Lauge gewaschen. Die schwerste Arbeit war das Auswringen der großen Bettwäschestücke. Das besorgten wir immer zu zweit. Wir drehten die Stücke gegeneinander und ließen die Lauge oder das Spülwasser auf den Boden fließen.
Der Wäschetopf stand so unglücklich unter dem offenen Schornstein (Kamin), daß wir beim Rausheben der Kochwäsche mit Hilfe eines kräftigen Holzstabes oftmals an den rußigen Rand des Schornsteins stießen. Dann mußte das Wäschestück noch einmal gewaschen und gekocht werden, um es wieder sauber zu bekommen.
Das Schlimmste aber war, daß es im ganzen Backhaus keinen Strom, also kein elektrisches Licht gab. Wir konnten also nur bei Tageslicht waschen oder mußten uns im tiefsten Winter mit Kerzenlicht begnügen. Ich habe so manches Mal gedacht, daß viele Zustände bei uns davon zeugten, daß der Hausherr bis dahin keine Ehefrau hatte!!
Er kam aber ja erst am 17. Sept. 47 aus dem Internierungslager zurück. Auch dann konnte er nicht sofort meine oft so dringenden Wünsche erfüllen, da es bis zur Währungsreform 1948 nur sehr wenig Material für bauliche Veränderungen zu kaufen gab.
Getrocknet wurde die Wäsche bei gutem Wetter an einer riesenlangen Leine, die ein Mann, - später mein Mann - kreuz und quer zwischen den Bäumen auf dem Hofplatz spannte. Bei Regenwetter trugen wir die Wäsche auf den Boden über der Obstscheune. Dort dauerte das Trocknen aber sehr viel länger. Auf den Hausböden lagerte damals das ganze Jahr über Getreide. Es wurde von dort aus verkauft oder verfüttert.
Nachdem wir die Wasserleitung bekommen hatten, wurde eine Wäschepresse (Wringapparat) angeschafft. Das war die erste große Erleichterung für den Waschtag. - Nein, elektrischer Strom war schon vorher verlegt worden! - Die Presse bestand aus einem verzinkten Behälter mit beweglichem Boden. In diesen Behälter wurde die nasse Wäsche gefüllt und mit einem Deckel eingeschlossen. Durch Wasserkraft (Wasserschlauch) wurde der Boden hochgedrückt gegen den Deckel, aus dessen Schlitzen das Wasser ablaufen konnte. Erst Jahre später bekam ich eine elektrische Waschmaschine, die aber auch nur die bereits gekochte Wäsche wusch. Sie konnte also kein Wasser erhitzen. Immerhin war mit ihr die Zeit der wundgeriebenen Fingerknöchel vorbei!