[Inhalt] [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [25] [26] [27] [28] [29] [30] [31] [32] [33] [34] [35] [36] [37] [38] [39]


Kapitel 31


Hans Busch, Neuhaus



Als Penners 1974 die Pachtung aufgaben, wollten wir die zwei alten Scheunen los werden. Sie waren unzweckmäßig für eine moderne Bewirtschaftung und sehr teuer in der Unterhaltung.
Per Annonce boten wir sie zum Abbruch ohne gegenseitige Vergütung an. Es meldeten sich mehrere Interessenten. Wir entschieden uns für Herrn Hans Busch aus Neuhaus, weil er ein gelernter Zimmermann und gerade in der Ausbildung als Bauingenieur war. Er hatte kurz vorher den Klosterhof in Nordleda für ganz wenig Geld aber mit der Auflage gekauft, die verfallenden Gebäude wieder instandzusetzen. Er gab sich aus als Liebhaber alter Kulturgüter und wollte mit dem Material aus unseren Scheunen die Schäden in Nordleda beheben.
Uns gefiel das sehr und Ulrich schloß mit ihm im August 1974 einen Vertrag ab. Nach dem mußte Herr Busch innerhalb eines Jahres die Scheunen abbrechen und die Bauplätze sauber hinterlassen. Mit dem Abbruch begann er auch sehr bald. Herr Busch hatte Bauern an der Hand, die die guten Partien des Reets gut gebrauchen konnten und die ihm beim Abdecken halfen. Auch die tragenden Balken und die guterhaltenen Bretter verschwanden bald. Und dann kam nichts mehr.
Ulrich und Elisabeth waren inzwischen mit dem DED für 2 Jahre nach Ecuador ausgereist. Das wiegte Herrn Busch ja wohl in Sicherheit. Die Herbst- und Winterstürme setzten den Gebäuderesten gewaltig zu. Ich versuchte Herrn Busch telefonisch zu bewegen, weiterzumachen. Er kam dann ab und an, baute irgendetwas ab und verschwand wieder. Immer wieder telefonierte ich mit ihm, ohne Erfolg. Besucher fragten mich, ob bei mir eine Bombe explodiert sei, - es sah fürcherlich aus. Im Sommer 75 halfen die inzwischen bei uns wohnenden Hippis für kurze Zeit, aber Herr Busch zahlte ihnen nichts, weinte nur bei mir, daß die jungen Menschen keinen Idealismus mehr hätten. Die Jahre 1975 und 1976 vergingen. Der Verfall wurde immer schlimmer. Ich habe immer wieder Fotos gemacht und sie nach Ecuador geschickt, trotzdem waren Ulrich und Elisabeth entsetzt über den Zustand des Hofes, als sie im Frühling 1977 zurückkamen.
Ulrich setzte sich mit Herrn Busch in Verbindung und entzog ihm mit sofortiger Wirkung das Recht, die Ruinen anzurühren. Wütend verklagte ihn Herr Busch beim Amtsgericht. Es gab tatsächlich dort eine Verhandlung, die aber nur von kurzer Dauer war. Der Vertrag war ja rechtskräftig!
Ulrich hat dann die Neuenkirchener Feuerwehr gebeten, die Überreste bei einer Feuerwehrübung zu verbrennen. Die allerletzten Überbleibsel hat eine Baufirma beseitigt und die gesamte Hofstelle eingeebnet.