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Kapitel 37


Onkel Schultheiß



Dieser Nikolaus Heinrich Mohr, geb. 1820, wurde der vielbesprochene, allgemein geachtete und von der Familie geliebte "Onkel Schultheiß".
Er heiratete 1844 Floriane Louise Katharina Crohn. Diese Ehe blieb kinderlos. Offenbar war dieser Nikolaus Heinrich ein sehr tüchtiger Landwirt. Er war wohlhabend und lebte, wie sein Oberknecht Hülsmann sagte, "wie ein Herr". Er arbeitete nicht mit, sondern gab dem Oberknecht seine Anweisungen und machte im "langen Rock", mit Hund und Stock, seine Kontrollgänge. Er war von sehr kleiner Gestalt. Sein Hund soll mindestens halb so groß gewesen sein wie er selbst. Im Jahre 1857 ließ er das Backhaus bauen. Die eiserne Jahreszahl ist heute noch in dessen Nordgiebel zu finden.
Während er das damals vorhandene Wohnhaus abbrechen und an derselben Stelle das neue, großzügige, errichten ließ, wohnte er mit seiner Frau in diesem neuen Backhaus.
Im Ostgiebel des Wohnhauses ließ er zwei runde Vertiefungen anbringen und das Hofwappen, die Monogramme des Ehepaares und die Baujahreszahl 1861/62 dort einzeichnen. Sie waren noch gut zu erkennen, als mein Sohn Ulrich die Vertiefungen neu ausmalen ließ.
Trotz der großen Baukosten für das Haus konnte Onkel Schultheiß viel Geld ausleihen. Ein noch vorhandenes Kassenbuch zeugt davon.
Er war aber nicht nur ein tüchtiger Bauer, sondern auch ein sehr guter Kommunalpolitiker. 15 Jahre war er Schultheiß des Dorfes Neuenkirchen und hat sich für dessen Wohl unermüdlich eingesetzt.
Herr Kantor Wieboldt erzählte mir bei unseren Gesprächen über die Dorfgeschichte, daß die Dorfbevölkerung bei seinem Dienstantritt (etwa 1905) den Namen "Schultheiß Mohr" noch immer mit Hochachtung im Mund geführt hätten.
Nikolaus Heinrich hat seinen Hof an seinen Neffen und Patenkind Nikolaus Heinrich Mohr, geb. 1861, verschenkt. Von seinem Bargeld hat er sich im Dorf ein Haus bauen lassen und dort mit seiner Frau gelebt. Den Rest des baren Geldes hat er der Familie seiner Frau vererbt.
Mehrere seiner schönen und wertvollen Möbelstücke sind auf dem Hof geblieben: sein Sekretär, das Sofa, der Eckschrank, der große Ausziehtisch mit 12 Stühlen und zwei sehr schöne Spiegel. Ein Schultheiß hatte damals eine gewisse Polizeigewalt. Im Gasthaus Tamm gibt es heute noch eine "Gerichtsstube" und im Turm der Kirche eine Gefängniszelle. Doch davon mehr im Anhang.