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Kapitel 12


Unsere Toiletten



Nun komme ich zu einem ganz besonders schönen Thema!
Als ich am 5. 6. 1945 hier einzog, war unser "Örtchen" (oder auf plattdeutsch "Pademang") noch recht weit vom Wohnhaus entfernt. Am Backhaus über dem Grenzgraben zwischen den Höfen Köser und Mohr gab es einen kleinen Anbau. In ihm befand sich ein Doppelsitz aus Holz, der mit hölzernen Deckeln zu verschließen war. An einer Seite gab es noch einen kleinen Kindersitz. Also konnte eine ganze Familie zugleich dort ihre "Geschäfte" erledigen. Die Hausmädchen hatten hier auch Zutritt. Für die Knechte stand hinter der Kruppscheune noch ein Extrahäuschen.
Wir mußten also bei Bedarf, bei Tag und Nacht, bei Sturm und Regen, immer ca. 30 Meter durch die frische Luft laufen. - Und wir blieben in der frischen Luft, denn in dem bewußten Häuschen zog es ganz fürchterlich. Unter den Sitzen war ja alles offen und hohl, die Rückwand stand nur auf Stützen.
Draußen unter den Küchenfenstern stand ein altes Fahrrad für besonders eilige Leute! Als mein erstes Kind unterwegs war und ich die Geburt Ende Januar 1949 erwartete, habe ich es durch massiven Druck geschafft, daß im Haus ein Plätzchen für ein Klo gefunden wurde. Mein Mann hielt es für ganz unmöglich, daß im Wirtschaftsteil des Hauses - wo es eine riesige Diele und Platz für 15 Kühe und 8 Ackerpferde gab - 1 1/2 m² übrig war für ein abgeschlossenes Örtchen. Sowas hatte es ja in Hunderten von Jahren nicht gegeben! Aber, o Wunder, der Standplatz für eine Kuh wurde geopfert! Bestimmt nur wegen des gefährdeten Babys! Und draußen wurde eine Klärgrube gebaut. Es war die erste private Klärgrube im Dorf. Nur bei der Schule, die 1932 neu gebaut wurde, gab es Toiletten mit Spülung.
Zur neuen Toilette mußten wir zwar, da es noch keine Wasserleitung gab, das Spülwasser in großen Kannen tragen, aber der Abfluß funktionierte doch wenigstens! Der Kloraum besteht heute noch. Ich habe ihn zur Giftkammer umfunktioniert. Er ist abschließbar. Salzsäure, Beiz- und Spritzmittel sind dort sicher untergebracht.