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Kapitel 25


Vom unbefestigten Landweg zum Schlackenweg - zur Straße



Der Weg zwischen den Süderender Höfen und der Straße nach Ihlienworth war bis in die Jugendzeit meines Mannes ein unbefestigter Landweg. An seiner Seite gab es einen Sandstreifen für die Fußgänger. Solange mein Mann und seine Geschwister zur Volksschule nach Neuenkirchen gingen, mußte bei schlechtem Wetter trotzdem ein Knecht mitgehen bis zur Straße, um die Kinder über schlechte Wegstellen zu heben. Sie wären sonst oft mit völlig verschmutzten und nassen Stiefeln zur Schule gekommen. Später wurde ein Schulwagen angeschafft, eine einfache Kutsche, mit der die Kinder nach Otterndorf zur Realschule fuhren. Sie hatte außer den Plätzen auf dem Kutschbock noch Sitzmöglichkeitenn für mindestens sechs Kinder. Darum wurden Nachbarskinder und Freunde mitgenommen. So auch der spätere Ministerpräsident von Niedersachsen, Hinrich Wilhelm Kopf, der in Neuenkirchen geboren wurde und dort wohnte, aber keinen Wagen zur Verfügung hatte.
Die Jungen fuhren selbständig, mußten beim Gasthof Petersen ausspannen, das Pferd versorgen und nach dem Unterricht auch wieder anspannen. Der damalige Straßenverkehr - ohne jedes Auto - machte es möglich.
Im Jahr 1910 schlossen sich die vier Hofbesitzer im Süderende zusammen und befestigten den Weg mit Schlacken. Ein Vertrag regelte die gemeinsamen Kosten und Arbeiten. Er war gültig bis 1962. Da gab es Gelder vom grünen Plan für die Pflasterung von landwirtschaftlichen Wegen. Seitdem haben wir eine feste Straße (Verbundsteinpflaster) von Kösers (Warnckes) bis zur Ihlienworther Straße. - Die beiden Brüder Lange haben ihre Ländereien zum großen Teil am Kreuzweg liegen, mußten bei dessen Pflasterung bezahlen und haben seitdem keine Überfahrtsrechte mehr über den Süderender Weg.
Die Hälfte der Baukosten unserer Pflasterstraße trug das Land Niedersachsen, den Rest mußten Kösers und wir leisten. Erst war eine größere Anzahlung fällig, dann zahlten wir 25 Jahre lang festgesetzte Raten.
Nun ist der Schlackenweg ja eine Straße. Der Abschnitt von Kösers (Warnckes) bis zur Ihlienworther Straße ist öffentlicher Weg. Die 450 m von der Gabelung (Postkasten) bis auf unseren Hof ist Privateigentum und muß von uns unterhalten werden.
Diese Gabelung hieß früher "Am grauen Baum", weil dort lange Zeit eine mächtige Pappel stand.