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Kapitel 38


Das Meierhaus



Unser Meierhaus stand am Ende der Driftweide, unmittelbar am Schwarzen Weg. Es hatte tatsächlich eine eigene Hausnummer, Nr. 188! Es war nur sehr klein. Seine Eingangstür war im Ostgiebel angebracht. Links, auf der Südseite, waren zwei kleine Stuben, geradeaus die Küche und auf der Nordseite ein kleiner Stall und ein Vorratsraum. An dieser Seite reichte das Strohdach fast bis auf die Erde. Zum Haus gehörte ein Garten. Das Anwesen wurde durch einen Quergraben von der Kuhweide getrennt.
Hier wohnte der "Meiermann" mit seiner Familie. Ob er jeweils der Oberknecht oder ein Tagelöhner war, ist mir leider nicht bekannt.
Die Familie durfte eine Kuh halten, die mit den Hofkühen graste. Dafür mußte die Frau des Meiermannes täglich beim Melken helfen. An besonders arbeitsreichen Tagen war sie auch die Erste, die zum Helfen im Haushalt gerufen wurde.
Als ich herkam, war das kleine Haus baufällig und längst unbewohnt. In den letzten Kriegswochen haben sich dort noch fremde Leute einquartiert. Als in Hasendorf, der Nachbarschaft also, eine Luftmine fiel, die mehrere Häuser zerstörte und einen Menschen tötete, ist das ganze Meierhaus zusammengefallen. Die Bewohner sind gekommen und verschwunden, ohne mit uns gesprochen zu haben. Reste der Grundmauern sind noch zu finden und die Beeren der uralten Stachelbeersträucher haben die Kinder und ich in den frühen 50er Jahren noch mit Vergnügen verzehrt.