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Kapitel 34


Erbengemeinschaft - Erbteilung



Mein Schwiegervater Nikolaus Heinrich Mohr starb ganz plötzlich mit 47 Jahren. Anders als sein Onkel und Vorgänger auf dem Hof, arbeitete er zusammen mit seinen Leuten. So zerhackte er auch am Morgen des 2. Februars 1908 die Eisdecke auf der Pferdetränke und erlitt dabei einen Herzschlag.
Mit einem so frühen Tod hatte er natürlich nicht gerechnet und darum auch noch kein Testament gemacht. Das Amtsgericht schritt ein und erklärte die Witwe mit ihren 5 Kindern zu einer Erbengemeinschaft. Heinrich, der älteste Sohn, leistete gerade seinen Wehrdienst bei der Berittenen Artillerie der Kaiserlichen Leibgarde in Berlin. Theodor Mohr folgte ihm zwei Jahre später, und ihm wiederum folgte sein Bruder Wilhelm von 1912 - 1914. Alle dienten bei der gleichen Kompanie.
Wilhelm mußte bei dem Kriegsausbruch sofort von Berlin aus an die Front in Frankreich. Hugo wurde 1914 eingezogen.
Bis zum Krieg ging auf dem Hof alles einigermaßen seinen Gang. Schwiegermutter war sehr couragiert, hatte mehrere erfahrene Knechte und immer drei ihrer heranwachsenden Söhne zu Hilfe. Als aber ab 1914 alle 4 Söhne Soldat waren, wurden ihr Arbeit und Verantwortung übermäßig schwer. Sie übernahm sich einfach, sodaß sie bald kaum ohne Krücken gehen konnte. Auch ihre Hände verformten sich mehr und mehr (Arthrose). Ihre Tochter Annemarie half ihr, so gut sie konnte, aber auch sie war nicht die Stärkste.
1916 wurde Heinrich, der älteste Sohn, vom Kriegsdienst freigestellt und übernahm die Leitung des Hofes. Er hatte sich als Artillerist bei den schweren Gefechten in Frankreich einen schlimmen Hörschaden zugezogen. Die drei anderen Söhne blieben bis zum Kriegsende 1918 Soldaten.
Die Söhne haben durch den Lauf der Dinge außer der Landwirtschaftsschule in Otterndorf keine weitere Berufsausbildung genossen als die, die ihnen auf dem elterlichen Hof geboten wurde. Annemarie wurde nach dem Krieg in einem Pensionat in Göttingen ausgebildet. Nach Krieg und Inflation war die Lage der Familie alles andere als rosig.
Zum besseren Verständnis muß ich hier etwas einfügen: Der jüngste Bruder meines Schwiegervaters, Hermann Mohr, hatte, wie schon erwähnt, den väterlichen Hof im Dorf übernommen. Leider konnte er ihn nicht halten. Er soll gar zu genau bei allen Arbeiten gewesen sein. Seine beiden Söhne hatten kein Interesse an der Landwirtschaft. Also wurde der Hof verkauft an das junge Ehepaar Fritz und Helene Hinrichsen aus Marne, Holstein. Fritz Hinrichsen fiel im Krieg und hinterließ außer seiner Frau zwei kleine Kinder, Anneliese und Karl.
Helene Hinrichsen und Heinrich Mohr lernten sich später kennen und lieben und heirateten. So kam auf den Hof im Dorf nach kurzem Zwischenspiel wieder der Name Mohr. Als Karl Hinrichsen 1948 heiratete, wurde der Familienname auf Hinrichsen-Mohr erweitert.
Hugo Mohr wurde von einem Freund der Familie, der in San Franzisco eine eigene Gaststätte betrieb, eingeladen, zu ihm zu kommen, bei ihm zu arbeiten und gutes Geld zu verdienen. Das tat er auch mehrere Jahre. In einem längeren Heimaturlaub heiratete er seine Frau Lenchen Tamm und nahm sie und seinen Bruder Theo mit über den großen Teich. Leider konnte sich einige Jahre später die Gaststätte nicht mehr halten, und alle drei Mohren kamen in die Heimat zurück. 1937 schlossen Mutter und Kinder Mohr einen Erbteilungsvertrag, und Wilhelm, der bis dahin den Hof gepachtet hatte, wurde der Besitzer.
Theo bekam Ländereien vom väterlichen Hof und heiratete Lucie Blohm, die den Resthof ihres Vaters geerbt hatte. Hugo gründete eine Mostfabrik und Annemarie heiratete den Sauerkohlfabrikanten Alfred Paulsen. Als der mit 50 Jahren einem Herzinfarkt erlag, zog Mutter Mohr zu ihrer Tochter und wurde von ihr gepflegt bis zu ihrem Tode im Jahr 1949.