Lange vor meiner Zeit wurde im Winter in der großen Durchfahrt der Kornscheune mit Flegeln gedroschen. Später hat mein Schwiegervater eine Dreschmaschine gekauft. Sie stand bis zur Verpachtung der Ländereien in der Kornscheune, wurde aber, solange ich denken kann, nicht mehr benutzt. Ihre Leistung war zu gering.
Es gab inzwischen mehrere Unternehmer, die große Dreschmaschinen besaßen und mit ihnen und den nötigen Männern auf die Höfe kamen. Das war dann immer ein Riesenspektakel!
Zu uns kam Jan Wöbber mit seinen "Monarchen". Jan war im Frühling und Sommer Reetdachdecker und im Herbst und Winter Dreschmaschinenführer. Er kam am Vorabend des ersten Dreschtages auf den Hof gefahren und machte den riesigen Dreschkasten, getrieben von einer Lokomobile, einsatzbereit. Später hatte er einen Trecker, der mit elektrischem Strom arbeitete. Ca. 20 Männer folgten ihm. Der Volksmund nannte sie "Monarchen". Das waren Männer verschiedenster Herkunft und verschiedenster Bildung. Vor der Währung arbeiteten viele von ihnen hauptsächlich für Deputat (Korn), manche setzten ihren baren Lohn zum großen Teil in Schnaps um. Von denen schliefen die meisten im Stroh, mussten vorher aber ihre Streichhölzer abgeben. Sehr ordentliche Männer schliefen zu Hause.
Wir mussten auch einige Vorarbeiten leisten: Unsere Männer schlachteten einen Hammel und bereiteten ihn zum Kochen und Braten vor. Wir Frauen stellten mehrere Tische auf dem großen Flur (1) auf und holten Bänke vom Backhausboden dazu. Für 25 Leute - unsere eingeschlossen - musste Platz geschaffen werden.
Es gab täglich fünf Mahlzeiten: Um 7 Uhr Milchsuppe, Brot, Butter und Kaffee-Ersatz, zum 2. Frühstück Wurstbrote, um 12 Uhr kräftige Fleischgerichte vom Schaf oder auch "Frische Hühnersuppe" mit Reis, nachmittags wieder gestrichene Wurstbrote, abends Bratkartoffeln (die in Fett schwammen), Milch, Quark und Brot.
Wir Frauen haben den ganzen Tag nur gekocht, aufgedeckt, abgedeckt und Geschirr gewaschen. Da aber auch gemolken werden musste, kam in diesen Tagen immer noch die Waschfrau zu Hilfe.
Für die Dreschleute wurde zu dem üblichen Schwarzbrot auch Feinbrot gekauft. Das gab es sonst fast nur zu Weihnachten. Ich habe aber regelmäßig zweimal in der Woche Stuten gebacken: mal mit, mal ohne Rosinen.
Die Dreschmänner mussten sehr schwer arbeiten. Alles auf und an der Maschine musste ja von Hand gemacht werden. Am schwersten hatten es wohl die Männer, die die vollen Getreidesäcke mit 150 Pfund Inhalt auf dem Rücken auf die Kornböden im Wohnhaus tragen mussten. Es waren zu meiner Zeit immer dieselben. Sie hatten sich wohl auf diese Arbeit spezialisiert. An zwei kann ich mich noch sehr gut erinnern. Einer war besonders groß und hatte eine Glatze. Sein Rücken war von der schweren Arbeit ganz krumm. Ein anderer fiel durch seinen schmächtigen Körper auf, dem man dieses Lastentragen gar nicht zugetraut hätte. Sie sprachen mit uns kein Wort. Die Männer, die im Stroh schliefen, konnte man am Zustand ihrer Kleidung und ihrer Haare erkennen. Wann und wo haben sie sich wohl gewaschen? Ich habe mir damals darüber keine Gedanken gemacht.
Normalerweise wurde bei uns jedes Jahr zweimal gedroschen. Beim Sommergetreide dauerte es nur ein bis zwei Tage, das große Dreschen dauerte aber immer drei Tage.
In den ersten Jahren nach dem Krieg kam für uns zu aller Arbeit oft auch Ärger: Die Dreschmaschinen waren ja verhältnismäßig alt. Sie streikten öfter. Ersatzteile waren aber so gut wie nie zu bekommen. Jan Wöbber flickte zusammen, was er nur konnte. Das dauerte oft Stunden, in denen die Männer im Stroh lagen. Wir mussten sie aber trotzdem beköstigen. Man wird es kaum glauben, aber unsere Vorräte an Fett und Fleisch waren zu der Zeit nicht besonders groß. Wilhelm war, wie gesagt, bis Sept. 47 interniert, und wir standen unter Kontrolle des Vermögensverwalters.
Die Spannung, ob das Dreschen überhaupt weitergehen würde, war wohl das Schlimmste an der Sache.
Wenn die Dreschmaschine vom Hof fuhr, gab es für uns Frauen ein großes Aufatmen und eine Stunde Ruhepause.