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Kapitel 22


Pferdezucht und Reitsport



Die Ländereien der Hadler Bauernhöfe waren allgemein je zur Hälfte in Ackerland und Grünland aufgeteilt. So auch bei uns. Der gute bis sehr gute Marschboden eignet sich besonders gut für Weizenanbau. Aber auch Raps und Gerste, Hafer als Pferdekraftfutter und Runkelrüben für die Kühe gedeihen gut.
Nachdem Schwager Alfred Paulsen 1925 seine Sauerkrautfabrik gründete, wurden auf unserem Hof auch jährlich ca. 5 ha Kohl angebaut. - Auf unserem Grünland weideten stets mehr Mastochsen oder Jungtiere als Milchkühe. Es gab ja bis einige Zeit nach dem 2. Weltkrieg hierzulande keine Melkmaschinen. Darum war es unmöglich, Kuhherden von 60 bis 80 Stück - wie heute in unserer Nachbarschaft üblich - zu halten.
Wir hatten im Schnitt 15 Milchkühe und die anfallenden Kälber, 25 Mastochsen und einige Queenen. Außerdem gab es 4 - 5 Zuchtstuten, 2 Wallache und je nach Erfolg einige Jungpferde und Fohlen.
Schwiegervater Nikolaus Heinrich war Pferdeliebhaber und Züchter. Er hat besonders viele gute Remonten (dreijährige Jungpferde, die das Heer dauernd benötigte als Reit- oder Zugpferde) verkauft. Diplome darüber bestehen noch heute.
Diese Vorliebe hatte sein Sohn Wilhelm offensichtlich geerbt. Er hatte ebenfalls gute Erfolge in der Zucht und konnte Remonten, gute Reitpferde und vor allem Hengstfohlen an die Hengststationen in Celle und Güstrow verkaufen. Nach dem 2. Weltkrieg fiel die Remontezucht aus, da es kein Heer mehr gab.
Die Pferdeliebe führte Wilhelm auch zum Reitsport. Von Jugend an verbrachte er all seine Freizeit "auf dem Rücken der Pferde". Er war Mitglied und später 2. Vorsitzender des "Hadler Reitclubs" in Altenbruch. An jedem Sonntagmorgen ritt er in aller Frühe dorthin, um sich ausbilden zu lassen und später um auszubilden. Seine 3 Brüder hatten dafür kein Verständnis. Er erhielt einige erste Preise als Reiter und Wagenlenker in Altenbruch, Bremerhaven-Speckenbüttel, auf dem Dobrock und sogar in Hamburg-Fuhlsbüttel. (Artikel im St. Georg)
Die Ausübung des Reitsports endete für ihn mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges. Als Züchter aber behielt er seinen guten Namen bis zu Verpachtung des Hofes.